Locked-In-Syndrom

admin Februar 25th, 2010

Medizinische Definition

(engl. eingesperrt):Unfähigkeit, sich bei erhaltenem Bewusstsein sprachlich od. durch Bewegungen spontan verständlich zu machen: Urs.: beidseitige Querschnittsläsion des Tractus corticobulbaris u. Tractus corticospinalis im Bereich der Pons Varioli, z.B. bei Arteria-basilaris-Thrombose

(Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, S. 974.)


Persönliche Definition

Das Ganze ist unverständlich erklärt, auch wenn es sich gut anhören mag. Ich werde mal versuchen, es verständlich zu erklären. Das Hirn sendet sensorische und motorische Impulse über die Nervenbahnen aus. Bei mir ist eine Schädigung im Bereich des Stammhirn aufgetreten, das heißt, ich kann die motorischen Impulse von meinem Gehirn nicht mehr adäquat an die entsprechenden Zielorgane weiterleiten. Nur meine Sensorik ist normal. Das heißt, ich kann genauso alles fühlen, wie jeder andere auch. Mein Hirn muss sich andere Bereiche suchen, um die Aufgaben erfüllen zu können. Das ist ein langwieriger Lernprozess..Nach meinem Hirnstamminfarkt konnte ich ein Jahr lang nur meine Augen bewegen. Die gesamte Muskulatur war gelähmt, auch die der Lunge. Deswegen musste ich künstlich beatmet werden. Eine Artikulation war nicht möglich. Das Locked-In-Syndrom ist wie ein inneres Gefängnis, der Körper die Mauer. Man ist vollkommen bewusstseinsklar, kann sich aber nicht äußern. Das lerne ich nach und nach immer mehr.


Mentales Erleben

Am 11.08.2000 hat es mich auch erwischt. Aus vollkommener Gesundheit heraus bin ich plötzlich umgefallen, war lange beatmet und bin erst Monate später aus dem Koma aufgewacht. Bis zum Realisieren meiner Lage hat es sehr lange gedauert. Wahrscheinlich sogar ein ganzes Jahr. In meinen Träumen war immer noch alles in Ordnung.

Irgendwie dachte ich, es würde vorbei gehen. Ist es aber nicht.

Das war erst mal ein Schock. Aber auch mit dem Locked-In-Syndrom kann man leben. Das Leben stellt sich vollkommen anders dar als vorher, ist nicht mehr zu vergleichen. Ich denke oft, ich erlebe zwei Leben in einem. Und der Rollstuhl fesselt nicht nur meinen Körper, sondern auch meine Seele an die Erde. Es ist zur äusseren und inneren Ruhe gekommen.

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