{"id":68,"date":"2000-08-11T01:23:57","date_gmt":"2000-08-11T01:23:57","guid":{"rendered":"http:\/\/tausendhoch3.de\/Anama\/wordpress\/?p=68"},"modified":"2010-02-26T13:10:28","modified_gmt":"2010-02-26T13:10:28","slug":"2008-express","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=68","title":{"rendered":"Express (2008)"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2000\/08\/16-03-2008-Ich-lache-mehr-als-frueher.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-207\" title=\"16-03-2008 -- Ich lache mehr als frueher\" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2000\/08\/16-03-2008-Ich-lache-mehr-als-frueher-166x300.jpg\" alt=\"\" width=\"166\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2000\/08\/16-03-2008-Ich-lache-mehr-als-frueher-166x300.jpg 166w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2000\/08\/16-03-2008-Ich-lache-mehr-als-frueher-566x1024.jpg 566w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2000\/08\/16-03-2008-Ich-lache-mehr-als-frueher.jpg 664w\" sizes=\"(max-width: 166px) 100vw, 166px\" \/><\/a>&#8222;Ich lache mehr als fr\u00fcher&#8220;<\/span><\/strong><\/p>\n<p><em>Von SIEGLINDE NEUMANN<br \/>\n<\/em><br \/>\n<strong>K\u00f6ln<\/strong> \u2013 Es ist ein herrlicher Sommertag, sonnig und warm. 11. August 2000. Ein Freund fotografiert Anama, aus purem Spa\u00df. Wie sie l\u00e4ssig auf ihrer Matratze liegt und liest. Wie sie versucht, m\u00f6glichst lange auf einem Bein zu stehen. Sie ist albern, vergn\u00fcgt. Die Schnappsch\u00fcsse sind die letzten Szenen ihres alten Lebens. Mittags macht ihr Lebensgef\u00e4hrte Schluss, Anama weint sich die Augen aus. Abends bricht sie im K\u00f6lner Osho-Zentrum zusammen. Hirnstamm-Infarkt. Eine besonders schwere Form des Schlaganfalls.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Der vollst\u00e4ndige Filmriss von Jetzt auf Gleich: Die quirlige Krankenschwester wird Gefangene ihres eigenen K\u00f6rpers. Locked-in-Syndrom. Alle motorischen Nerven sind durchtrennt. Ihre Gliedma\u00dfen sind kraftlos, sie ist von Kopf bis Fu\u00df gel\u00e4hmt. Sie kann nur noch mit den Augen blinzeln, keinen Finger r\u00fchren, kein Wort sprechen. Die Stimmb\u00e4nder sind gel\u00e4hmt, ebenso Zunge, Gaumen, Mund. \u201eDie Not\u00e4rzte dachten, ich h\u00e4tte Drogen genommen\u201c, erz\u00e4hlt sie, \u201eman lie\u00df mich ein paar Tage in der Klinik liegen, bis die einschl\u00e4gigen Tests zeigten, ich war drogenfrei.\u201c Ein Kernspin offenbarte die katastrophale Wahrheit. Anama wird in ein k\u00fcnstliches Koma versetzt. Sie tr\u00e4umt sich k\u00f6rperlos, liegt ein Jahr in der Klinik. Etwas essen, den Kopf alleine halten, aufrecht sitzen &#8211; anschlie\u00dfend erarbeitete riesen Erfolge, \u00fcber die sie kein Wort verliert.<br \/>\nHeute tippt sie mit einer kopfgesteuerten Computermaus Texte und\u00a0E-mails. Kann mit uns\u00e4glicher Anstrengung hingehauchte Unterhaltungen f\u00fchren. \u201eSchreiben Sie blo\u00df nicht, ich w\u00e4re eine K\u00e4mpferin\u201c, fl\u00fcstert sie. \u201eIch bin ein z\u00e4her Knochen.\u201c Heute, knapp acht Jahre nach dem Zusammenbruch, verspr\u00fcht Anama noch mehr Charme als auf den h\u00fcbschen alten Fotos. \u201eIch lache mehr als fr\u00fcher\u201c, sagt sie und strahlt. Dabei h\u00e4tte sie Grund, von fr\u00fch bis sp\u00e4t zu jammern.<br \/>\nSie kann keine vors Auge gewehte Haarstr\u00e4hne wegstreichen, keine l\u00e4stige Fliege verscheuchen, obwohl sie ihr Kribbeln deutlich sp\u00fcrt. Sie kann keine vors Auge gewehte Haarstr\u00e4hne wegstreichen, keine l\u00e4stige Fliege verscheuchen, obwohl sie ihr kribbekn deutlich sp\u00fcrt. Sie kann sich nicht selber die Nase putzen, keinen L\u00f6ffel zum Mund f\u00fchren. Arme, Finger, Beine streiken. Aus dem Rollstuhl erheben? Sich selber hinsetzen? Geht nicht.\u00a0 \u201eWenn es mich juckt, muss mich jemand kratzen.\u201c Selbst in der Nacht braucht Anama einen Pflegeassistenten vom Roten Kreuz. Ich kann ja schlecht den Notdienst rufen, nur weil mir die Decke runterrutscht!\u201c<br \/>\nEine gro\u00dfe Portion Heiterkeit zauberte Langhaarcollie Momo (3) vorletztes Jahr in ihr Leben. \u201eIch bin viel mehr drau\u00dfen, bei jedem Wetter, jeden Tag und kaum noch krank\u201c, schw\u00e4rmt sie \u00fcber ihren treuen Gef\u00e4hrten.<br \/>\nDer schlaue Behindertenhund, \u00fcber Spenden finanziert, ist auf wenige kurze Kommandos abgerichtet, die Anama gut artikulieren kann. Schnalzen hei\u00dft \u201eSetz`dich\u201c. H\u00f6rt Momo ihr \u201eAmen\u201c, darf er sich ein Leckerchen vom Rollstuhltablett schnappen, wo sich p\u00fcnktlich wie ein Uhrwerk abends gegen 22 Uhr Kater Jonathan zum Streicheln unter Frauchens kraftlose Finger schmiegt und schnurrt.<br \/>\nFr\u00fcher war Anama Krankenschwester auf der Intensivstation in K\u00f6ln-Merheim. Sie arbeitete auf der Schwelle zwischen Leben und Tod. Aus dieser Grauzone hat sie sich mit viel Energie und Hartn\u00e4ckigkeit wieder in die Mitte des Lebens bewegt. \u201eEs ging in diesem Beruf immer wieder darum, ob sich das Leben noch lohnt. Ich bin heute \u00fcberzeugter denn je, dass das Leben selber entscheidet, wer leben soll oder nicht. Jedes Leben ist lebenswert. Jeder K\u00f6rper, ob klein, gro\u00df, dick, d\u00fcnn, unbeweglich oder sonst was, ist sch\u00f6n.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich lache mehr als fr\u00fcher&#8220; Von SIEGLINDE NEUMANN K\u00f6ln \u2013 Es ist ein herrlicher Sommertag, sonnig und warm. 11. August 2000. Ein Freund fotografiert Anama, aus purem Spa\u00df. Wie sie l\u00e4ssig auf ihrer Matratze liegt und liest. Wie sie versucht, m\u00f6glichst lange auf einem Bein zu stehen. Sie ist albern, vergn\u00fcgt. 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