{"id":66,"date":"2008-06-26T01:23:31","date_gmt":"2008-06-26T01:23:31","guid":{"rendered":"http:\/\/tausendhoch3.de\/Anama\/wordpress\/?p=66"},"modified":"2008-06-26T01:23:31","modified_gmt":"2008-06-26T01:23:31","slug":"2008-frau-mit-spas","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=66","title":{"rendered":"Frau Mit Spa\u00df (2008)"},"content":{"rendered":"<div>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong>&#8222;Ich war gefangen im eigenen K\u00f6rper&#8220;<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: medium;\"><strong><br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Nur kurz wachte Anama Kristin Fronhoff auf der Intensivstation auf. Und doch sp\u00fcrte sie, dass etwas Schlimmes mit ihr passiert sein musste. &#8222;Ich wollte den Kopf drehen. Es ging nicht. Ich versuchte zu sprechen, brachte aber kein Wort heraus.&#8220; Eine Maschine unterst\u00fctzte sie beim Atmen, \u00fcber eine Magensonde floss Nahrung in ihren K\u00f6rper. &#8222;Ich lebte. Doch es war wie ein Albtraum, aus dem es kein Entrinnen gab&#8230;&#8220; Regungslos lauschte sie den Therapeuten, die sich um ihr Bett versammelt hatten. &#8222;Sie hielten bunte Luftballons in ihren H\u00e4nden und sangen &#8222;Happy Birthday&#8220;. Es war Februar- und mein 34. Geburtstag&#8230;&#8220; Was war geschehen? &#8222;Am 11.August 2000 war ich pl\u00f6tzlich zusammengebrochen&#8220;, erz\u00e4hlt Anama. &#8222;Diagnose: Schlaganfall! &#8222;Ich fiel ins Koma. Die \u00c4rzte machten meiner Familie wenig Hoffnung. Doch es kam anders. Ich bin eben ein ziemlich z\u00e4her Knochen.&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>An die darauf folgenden Monate kann sie sich nur schemenhaft erinnern. &#8222;Es gab Momente, in denen ich bereits in einer anderen Welt war. Sie war wundersch\u00f6n. Auf einmal war alles k\u00f6rperlos, herrlich leicht&#8230;&#8220; Dann aber tastete sich Anamas Bewusstsein langsam wieder ins Leben zur\u00fcck. Nicht ahnend, welch hartem Schicksal sie da entgegen d\u00e4mmerte&#8230; &#8222;Ich erfuhr von den \u00c4rzten, dass ich einen massiven Hirnstamminfarkt erlitten h\u00e4tte und nun am seltenen Locked-in-Syndrom litt.&#8220; Obwohl ihr Verstand hellwach war, sie alles sah und h\u00f6rte, reagierte keiner ihrer Muskeln mehr auf die Signale ihres Gehirns. &#8222;Ich war v\u00f6llig gel\u00e4hmt, konnte nichts mehr &#8211; weder atmen, noch schlucken und sprechen. Ein Kontakt war nur \u00fcber die Augen m\u00f6glich. Ich war gefangen im eigenen K\u00f6rper.&#8220; Dennoch beschloss Anama, nicht aufzugeben. Seither vergeht kaum ein Tag ohne Ergotherapie, Krankengymnastik und Logop\u00e4die. Sie sollen ihr wenigstens Teile ihrer verlorenen F\u00e4higkeiten zur\u00fcckbringen. &#8222;Die Therapien tun mir gut. Doch h\u00f6here M\u00e4chte entscheiden letztendlich, ob und was sich \u00e4ndert.&#8220;<br \/>\nUnd die Fortschritte sind beachtlich. Heute sitzt die 41-j\u00e4hrige Intensivkrankenschwester selbst\u00e4ndig im Rollstuhl, kann wieder Kopf, Finger und Oberk\u00f6rper bewegen, ohne Hilfe atmen, schlucken, leise sprechen, sogar mit einer Art Kopfmaus ihren PC bedienen. Mehr, als die \u00c4rzte je f\u00fcr m\u00f6glich hielten. &#8222;Vor allem aber kann ich wieder meine Katzen &#8222;Jonathan&#8220; und &#8222;Kassandra&#8220; streicheln&#8220;, schmunzelt sie. &#8222;Nur ihretwegen bin ich damals nicht ins Pflegeheim gegangen. Denn ich wollte sie nicht weggeben.&#8220; So wohnt sie seit 2001 mit den beiden und dem Behindertenbegleithund &#8222;Momo&#8220; in einer eigenen, behindertengerechten Dreizimmerwohnung (65 qm) in K\u00f6ln. Dort wird sie von Assistenten des Deutschen Roten Kreuzes rund um die Uhr versorgt. Das Ganze wird vom Sozialamt bezahlt. Zudem bezieht sie eine kleine Rente.<br \/>\nDie Kraft, an ihrer Situation nicht zu verzweifeln, findet sie bei Freunden, im Glauben und im Leben selbst. &#8222;Fr\u00fcher war ich eine Getriebene. Immer auf der Suche nach etwas Besserem. Jetzt bin ich zur Ruhe gekommen- im Inneren und im \u00c4u\u00dferen. Heute freue ich mich schon \u00fcber eine Blume, die in der Sonne strahlt.&#8220; Keine qu\u00e4lende Frage nach dem &#8222;Warum es gerade sie getroffen hat?&#8220; Anama l\u00e4chelt. &#8222;Nein, nie! Ich sp\u00fcre zwar immer wieder den Schmerz um das Vergangene. Aber ich habe gelernt, meinen Zustand so anzunehmen wie er ist.&#8220; &#8222;Das hei\u00dft aber nicht, dass immer alles so toll ist&#8220;, wirft sie gleich ein. &#8222;Die Angst, aus Kostengr\u00fcnden irgendwann in einem Pflegeheim zu landen, ist nach wie vor gro\u00df.&#8220; Doch die Verantwortung f\u00fcr ihr Leben hat sie l\u00e4ngst &#8222;abgegeben&#8220;. &#8222;Die habe ich in Gottes H\u00e4nde gelegt. Ich kann nur dar\u00fcber entscheiden, wie ich den Augenblick leben m\u00f6chte. Und den will ich genie\u00dfen- mit viel Liebe und Lachen&#8230;&#8220;<\/p>\n<p><strong>Was ist das Locked-in-Syndrom? <\/strong><br \/>\nDas Locked-in-Syndrom (&#8222;eingesperrt&#8220;) tritt oft nach einer schweren Form des Schlaganfalls auf. Ein Blutpfropfen an der Hauptversorgungsader des Gehirns sorgt f\u00fcr eine Mangeldurchblutung. Das f\u00fchrt zur Sch\u00e4digung wichtiger Hirnregionen, die f\u00fcr die Steuerung der Muskeln und K\u00f6rperfunktionen zust\u00e4ndig sind. Folge: Die Patienten (weltweit ca. 4000) sind gel\u00e4hmt, aber bei vollem Bewusstsein. Weitere Infos unter: www.locked-in-syndrom.org oder www.lockedinsyndrom.mynetcologne.de (Homepage von Anama Fronhoff)<\/p>\n<p>Buch-Tipp:<br \/>\nAuch Laetitia Bohn-Derrien litt<br \/>\nam Locked-in-Syndrom. In ihrer<br \/>\nBiografie &#8222;Ich spreche&#8220; (Gold-<br \/>\nmann, 19,95 Euro) erz\u00e4hlt sie,<br \/>\nwie sie ins Leben zur\u00fcckfand.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich war gefangen im eigenen K\u00f6rper&#8220; Nur kurz wachte Anama Kristin Fronhoff auf der Intensivstation auf. Und doch sp\u00fcrte sie, dass etwas Schlimmes mit ihr passiert sein musste. &#8222;Ich wollte den Kopf drehen. Es ging nicht. 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