{"id":61,"date":"2004-02-26T01:21:23","date_gmt":"2004-02-26T01:21:23","guid":{"rendered":"http:\/\/tausendhoch3.de\/Anama\/wordpress\/?p=61"},"modified":"2010-02-26T13:11:12","modified_gmt":"2010-02-26T13:11:12","slug":"2006-bild-der-frau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=61","title":{"rendered":"Bild der Frau (2004)"},"content":{"rendered":"<p><strong><span style=\"font-size: medium;\"><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2004\/02\/2006-Ich-war-gefangen-im-eigenen-Koerper.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-209\" title=\"2006 -- Ich war gefangen im eigenen Koerper\" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2004\/02\/2006-Ich-war-gefangen-im-eigenen-Koerper-225x300.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2004\/02\/2006-Ich-war-gefangen-im-eigenen-Koerper-225x300.jpg 225w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2004\/02\/2006-Ich-war-gefangen-im-eigenen-Koerper-771x1024.jpg 771w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2004\/02\/2006-Ich-war-gefangen-im-eigenen-Koerper.jpg 800w\" sizes=\"(max-width: 225px) 100vw, 225px\" \/><\/a>&#8222;Ich war gefangen im eigenen K\u00f6rper!&#8220;<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Anama (39) litt unter dem seltenen &#8222;Locked-in-Syndrom&#8220;<\/p>\n<p>Es war ein Tag wie jeder andere: aufstehen, fr\u00fchst\u00fccken, arbeiten. Kopfschmerzen sind die einzigen Vorboten der Katastrophe. An jenem Nachmittag im August vor sechs Jahren geht Anama Kristin Frohnhoff (heute 39) zur Meditationsstunde. Mitten im Unterricht bricht die K\u00f6lnerin zusammen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Dem Notarzt sagt die gelernte Intensiv Krankenschwester Anama noch: \u201eNicht intubieren, bitte!&#8220; Ihre allerletzte Erinnerung f\u00fcr viele Monate&#8230; \u201eStammhirninfarkt&#8216;; diagnostizieren die \u00c4rzte im Krankenhaus sp\u00e4ter. Stammhirninfarkt, das ist wie ein sehr schwerer Schlaganfall, nur nicht einseitig, sondern in der Mitte des Gehirns. Folge: Beide K\u00f6rperh\u00e4lften sind gel\u00e4hmt.\u00a0 Anama liegt Monate im Koma. Sie wird k\u00fcnstlich beatmet und ern\u00e4hrt. Erst nach knapp einem Jahr, an ihrem 34. Geburtstag schafft ihr Bewusstsein wieder den Sprung in die Realit\u00e4t. \u201eUm mich herum standen Therapeuten mit Luftballons und sangen ,Happy Birthday&#8216;. Ich wusste: Ich lebe.&#8220; Anama erwacht aus dem Koma aber nicht richtig. Sie hat das sogenannte Locked-In-Syndrom (LIS, locked in = eingesperrt sein). Ist eine Gefangene ihres gel\u00e4hmten K\u00f6rpers bei vollem Bewusstsein. LIS endet oft t\u00f6dlich. Die Patienten k\u00f6nnen nur die Augenlider bewegen. Anama: \u201eEs war wie ein Albtraum, aus dem es kein Erwachen gibt.&#8220; \u201eIch konnte denken und sonst nichts&#8220; Koma oder LIS? Das ist selbst f\u00fcr \u00c4rzte oft schwer zu unterscheiden. Mit dramatischen Folgen. Die Patienten wollen sagen: \u201eIch lebe, ich kriege alles mit!&#8220; und k\u00f6nnen es nicht. Anama: \u201eNur mein bester Freund und fr\u00fcherer Lebensgef\u00e4hrte, Wolfgang, hat gemerkt, dass in meinem bewegungslosen K\u00f6rper ein wacher Verstand steckt.&#8220; Ein verzweifelter Verstand. \u201eIch konnte denken und sonst nichts&#8220;, erz\u00e4hlt Anama. \u201eNicht atmen, nicht schlucken, nicht sprechen. LIS ist wie ein inneres Gef\u00e4ngnis, der K\u00f6rper die Mauer.&#8220; Erst nach mehr als einem Jahr realisiert Anama, dass ihr Zustand Wirklichkeit ist und nicht nur ein schlechter Traum. Langsam lernt sie, wieder einzelne Buchstaben zu sprechen. Bis zum ersten Wort dauert es noch ein weiteres Jahr. \u201eBis dahin habe ich mich nur \u00fcber Augenbewegungen verst\u00e4ndigt&#8220; sagt sie. Augen schlie\u00dfen f\u00fcr ja, Augen \u00f6ffnen f\u00fcr nein. Bis heute \u00fcbt sie jeden Tag m\u00fchsam, verlorene F\u00e4higkeiten wenigstens teilweise zur\u00fcckzuerobern. Anama lebt wieder in einer eigenen Wohnung. Dreizehn Assistenten teilen sich den Dienst so ein, dass sie rund um die Uhr betreut wird. Sie sitzt im Rollstuhl, ihre Stimme ist zart und leise wie ein Fl\u00fcstern. Sprechen strengt sie an. Aber sie kann es wieder!<\/p>\n<p>\u201eIch wei\u00df nicht, warum ausgerechnet mir dieses Ungl\u00fcck passiert ist. Ich war vorher nie krank&#8220; sagt sie. \u201eAber ich denke da nicht dr\u00fcber nach. Ich sage Ja zum Leben,\u00a0\u00a0 in\u00a0 welcher\u00a0 Form\u00a0 auch immer. Ich habe mein Leben an eine h\u00f6here Macht abgegeben, die dar\u00fcber entscheiden mag, wie es weitergehen soll.&#8220; Und es geht weiter, wenn auch in winzigen Schritten. Ihre gr\u00f6\u00dften Erfolge? \u201eIch kann meinen Kater Jonathan streicheln. Und meinen Hund ,Momo&#8216;. Er ist ein ausgebildeter Therapiehund, kann beispielsweise Lichtschalterauf Kommando an- und ausmachen. Ich habe mein neues Leben angenommen!&#8220; Vor allem aber ist \u201eMomo&#8220; f\u00fcr Anama \u201eein Freund und Seelentherapiehund&#8220;. T\u00e4glich sind die beiden drau\u00dfen. \u201eIch beobachte ihn beim Toben.&#8220; Anama erz\u00e4hlt weiter: \u201eAndere Erfolge? Ich kann einen Apfel essen. Dass es \u00fcberhaupt wieder Spa\u00df macht zu essen!&#8220; Anama lacht. Auch das kann sie wieder und macht es gern!<br \/>\n\u201eIch habe inzwischen meine innere Ruhe gefunden. Ich musste lernen, mich von meinem alten Leben zu verabschieden, es ganz aufzugeben und ein v\u00f6llig neues zu beginnen&#8220; sagt sie. \u201eNicht jeder hat zwei Leben in einem!&#8220;<\/p>\n<p>Bild der Frau 04\/2004 TANYA MUNSCHE<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.lockedinsyndrom.mynetcologne.de\/\" target=\"_blank\">www.lockedinsyndrom.mynetcologne.de<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.locked-in-syndrom.org\/\" target=\"_blank\">www.locked-in-syndrom.org<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Ich war gefangen im eigenen K\u00f6rper!&#8220; Anama (39) litt unter dem seltenen &#8222;Locked-in-Syndrom&#8220; Es war ein Tag wie jeder andere: aufstehen, fr\u00fchst\u00fccken, arbeiten. Kopfschmerzen sind die einzigen Vorboten der Katastrophe. An jenem Nachmittag im August vor sechs Jahren geht Anama Kristin Frohnhoff (heute 39) zur Meditationsstunde. 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