{"id":334,"date":"2011-09-07T11:10:59","date_gmt":"2011-09-07T11:10:59","guid":{"rendered":"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=334"},"modified":"2011-09-07T11:12:44","modified_gmt":"2011-09-07T11:12:44","slug":"artikel-in-der-apotheken-umschau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=334","title":{"rendered":"Artikel in der Apotheken Umschau"},"content":{"rendered":"<p>In der Apotheken Umschau ist dieser Artikel \u00fcber mich erschienen:<\/p>\n<p><strong>Der Weg nach drau\u00dfen<\/strong><\/p>\n<p><strong>Locked-in-Syndrom. Die Patienten sind am ganzen K\u00f6rper gel\u00e4hmt. Dennoch empfinden viele ihr Leben als positiv.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_09.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-338\" title=\" Anama Kristin Fronhoff kann wieder E-Mails schreiben. Mit einem Reflektorpunkt zwischen den Brillengl\u00e4sern steuert sie dazu eine Kamera \u00fcber dem Computer an  \" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_09-300x202.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"202\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_09-300x202.jpg 300w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_09.jpg 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a>Da ist immer wieder dieses Lachen. Es deutet sich an, wenn sich die Mundwinkel von Anama Kristin Fronhoff verziehen, begleitet von eine Kichern, das in einem leisen Glucksen endet. Au\u00dfenstehende fragen sich, woher dieses Lachen kommt angesichts des Schicksalsschlags, den Anama Fronhoff im Jahr 2000 erlitt.<\/p>\n<p>Damals war sie 33 Jahre alt. Mittags hatte ihr Freund die Beziehung beendet, sie weinte den ganzen Tag und brach abends bei einer Meditations\u00fcbung zusammen. In ihrem Gehirn hatte sich eine Thrombose gebildet, ein Schlaganfall im Hirnstamm war die Folge. Dieser Bereich des Gehirns bildet die Schnittstelle zwischen den anderen Hirnregionen und dem R\u00fcckenmark. Sendet das Gehirn Impulse \u00fcber die Nervenbahnen an die entsprechenden Zielorgane des K\u00f6rpers laufen diese Befehle \u00fcber den Hirnstamm. Lebenswichtige Funktionen wie Herzfrequenz, die Atmung und der Schluckreflex werden von dort aus gesteuert. \u201eBertrifft ein Infarkt den Hirnstamm, ist das Bewegungszentrum auf einen Schlag lahmgelegt\u201c, sagt Dr. Andrea von Helden, Chef\u00e4rztin am Zentrum f\u00fcr Schwerst-Sch\u00e4del-Hirnverletzungen im Vivantes Klinikum Spandau in Berlin.<\/p>\n<p><strong>Gel\u00e4hmt bei vollem Bewusstsein<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-336\" title=\"Mit ihrem speziell geschulten Hund Momo ist die Locked-in-Patientin jeden Tag drau\u00dfen   \" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_02-207x300.jpg\" alt=\"\" width=\"207\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_02-207x300.jpg 207w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_02.jpg 531w\" sizes=\"(max-width: 207px) 100vw, 207px\" \/><\/a>Anama Fronhoff konnte weder die Arme noch die Beine noch den Kopf bewegen. Die gesamte Muskulatur ihres K\u00f6rpers war gel\u00e4hmt. Sie musste beatmet und k\u00fcnstlich ern\u00e4hrt werden. Ihr K\u00f6rper wirkte wie in einem Wachkoma. Zugleich war sie aber bei vollem Bewusstsein. Sie sp\u00fcrte jede Ber\u00fchrung der \u00c4rzte und Pfleger, verstand und sah alles, was in ihrem Krankenzimmer passierte. Nur mitteilen konnte sie sich nicht. Sie empfand sich als unbeteiligte Zuschauerin.<\/p>\n<p>Einzig die Augen vermochte sie noch von oben nach unten zu bewegen und mit den Lidern zu schlagen. Diese Bewegung steuert das Mittelhirn. Um mit Fronhoff zu kommunizieren, bewegte der Pfleger einen Finger \u00fcber einer Tafel mit dem Abc. Kam er an dem richtigen Buchstaben an, blinzelte sie.<\/p>\n<p>\u00c4rzte nennen den Zustand der kompletten L\u00e4hmung bei vollem Bewusstsein \u201elocked-in\u201c, eingesperrt. \u201eIch stecke in einem inneren Gef\u00e4ngnis, der K\u00f6rper ist die Mauer\u201c, erkl\u00e4rt Fronhoff. Dass sie wieder sprechen kann, ganz leise und mit viel Anstrengung, erscheint wie ein kleines Wunder und ist Ergebnis jahrelanger, harter Arbeit.<\/p>\n<p><strong>Schlucken lernen dauert Monate<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_21.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-339\" title=\"Anama Kristin Fronhoff und den Assistenten Christian Tiede verbindet eine \u201eprofessionelle\u201c und zugleich pers\u00f6nliche Beziehung.  \" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_21-208x300.jpg\" alt=\"\" width=\"208\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_21-208x300.jpg 208w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_21.jpg 533w\" sizes=\"(max-width: 208px) 100vw, 208px\" \/><\/a>\u201eDas Gehirn muss sich andere Bereiche suchen, um die Aufgaben zu erf\u00fcllen. Das ist ein langwieriger und m\u00fchsamer Lernprozess\u201c, sagt von Helden. Die Behandlung schlie\u00dft Krankengymnastik, Ergotherapie und Logop\u00e4die mit ein. \u00dcber Monate lernte Fronhoff wieder zu schlucken \u2013 ein komplexer Vorgang, an dem rund 50 Muskeln beteiligt sind. Die kleinen Verbesserungen nehmen Monate in Anspruch. \u201eWichtig ist vor allem, dass das Locked-in-Syndrom schnell und richtig diagnostiziert wird\u201c, sagt von Helden. \u201eJe fr\u00fcher und nachhaltiger mit der Rehabilitation begonnen wird, desto besser die Aussichten.\u201c<\/p>\n<p>Heute lebt Fronhoff in einer Dreizimmerwohnung in K\u00f6ln. Sie ist rund um die Uhr auf die Hilfe anderer angewiesen: wenn sie aufstehen m\u00f6chte, wenn sie Hunger hat oder wenn ihre Nase juckt. Zehn Krankenassistenten wechseln sich mit der Betreuung ab.<\/p>\n<p>Anama Fronhoffs Fenster zur Au\u00dfenwelt ist ein spiegelnder Punkt zwischen den Brillengl\u00e4sern. Eine kleine Kamera \u00fcber dem Computermonitor registriert per Infrarot jede Regung des Punkts. So kann sie den Computer mithilfe der Bewegung des Kopfes wie mit einer normalen Maus bedienen. Sie surft im Internet und schreibt ihren Bekannten E-Mails.<\/p>\n<p>Aber warum bezeichnet sich Anama Fronhoff als gl\u00fccklichen Menschen? Dass eine so schwere Erkrankung nicht den Lebensmut nehmen muss, best\u00e4tigt eine Studie von Forschern der belgischen Universit\u00e4t L\u00fcttich. 65 Menschen mit Locked-in-Syndrom f\u00fcllten einen Fragebogen aus. Fast drei Viertel bezeichneten sich als gl\u00fccklich. Nur sieben Prozent gaben an, lieber tot sein zu wollen. \u00c4hnliche Ergebnisse erhielt auch Dr. Karl-Heinz Pantke bei einer Befragung.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_071.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright size-medium wp-image-337\" title=\"Trotz ihrer schweren Krankheit blickt die Patientin optimistisch in die Zukunft. Menschen mit Locked-in-Syndrom k\u00f6nnen sich fast gar nicht bewegen  \" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_071-205x300.jpg\" alt=\"\" width=\"205\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_071-205x300.jpg 205w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2011\/09\/FRONHOFF_071.jpg 527w\" sizes=\"(max-width: 205px) 100vw, 205px\" \/><\/a>\u201e Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Patienten gut versorgt werden und kommunizieren k\u00f6nnen, dass sie also sozial eingebunden sind\u201c, sagt Professor Christoph Student, Facharzt f\u00fcr Psychiatrie und Palliativmedizin. Er stellt eine Verbindung zum Thema Patientenverf\u00fcgung her. Viele Locked-in-Patienten w\u00fcrden heute vermutlich nicht mehr leben, wenn sie vor ihrer Erkrankung \u00fcber ihre Zukunft h\u00e4tten entscheiden m\u00fcssen. \u201eLeben und Sterben sind dynamische Prozesse, denen ein statistisches Instrument wie die Patientenverf\u00fcgung nicht gerecht werden kann\u201c, betont Student. \u201eKein Gesunder kann wissen, wie er als Kranker entscheiden w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Der australische Psychologe Robert Cummins spricht von einer \u201eHom\u00f6ostase\u201c, bei der Menschen lernen, ihre subjektiven Bed\u00fcrfnisse an ihre Ressourcen anzupassen, auch wenn diese stark eingeschr\u00e4nkt sind. Manchmal gelingt dies so gut, dass Schwerstbehinderte ihre Lebensqualit\u00e4t h\u00f6her einsch\u00e4tzen als Nichtbehinderte die ihre.<\/p>\n<p>In den ersten Monaten versinken die meisten Locked-in-Patienten in einer tiefen Depression. Danach entkommen sie diesem Zustand meist wieder, indem sie sich mit der neuen Situation arrangieren. \u201eIn den ersten beiden Jahren wollte ich nur sterben\u201c, sagt Anama Fronhoff. Doch sie habe nicht einmal gewusst, wie das gehen sollte. Dann begann ihr zweites Leben: \u201eDer Rollstuhl fesselt nicht nur meinen K\u00f6rper, sondern auch meine Seele an die Erde. Ich habe eine innere Ruhe gefunden, der ich fr\u00fcher immer nachgejagt bin.\u201c<\/p>\n<p><em>Text: Stefan Schweiger, erschienen in der Apotheken-Umschau<\/em><\/p>\n<p><em>Fotos: Reiner Unkel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Apotheken Umschau ist dieser Artikel \u00fcber mich erschienen: Der Weg nach drau\u00dfen Locked-in-Syndrom. Die Patienten sind am ganzen K\u00f6rper gel\u00e4hmt. Dennoch empfinden viele ihr Leben als positiv. Da ist immer wieder dieses Lachen. 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