{"id":269,"date":"2010-08-02T19:49:48","date_gmt":"2010-08-02T19:49:48","guid":{"rendered":"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=269"},"modified":"2010-08-14T20:52:01","modified_gmt":"2010-08-14T20:52:01","slug":"not-artikel-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/?p=269","title":{"rendered":"NOT-Artikel (2010)"},"content":{"rendered":"<p><!-- \t\t@page { margin: 2cm } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } --><\/p>\n<h1><a href=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Bild-082.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-medium wp-image-270\" title=\"NOT Artikel 7\/2010\" src=\"http:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Bild-082-218x300.jpg\" alt=\"\" width=\"218\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Bild-082-218x300.jpg 218w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Bild-082-744x1024.jpg 744w, https:\/\/lockedinsyndrom.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2010\/08\/Bild-082.jpg 850w\" sizes=\"(max-width: 218px) 100vw, 218px\" \/><\/a><span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Der Weg in ein neues Leben<\/span><\/h1>\n<p><span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\"> <\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Bis zu ihrem Schlaganfall vor zehn Jahren war die damals 33-j\u00e4hrige Anama Kristin Fronhoff ein sehr kommunikativer Mensch \u2013 sowohl verbal wie auch k\u00f6rpersprachlich. Der Hirnstamminfarkt l\u00f6ste bei der jungen K\u00f6lnerin ein Locked-in-Syndrom aus. Trotz der starken Behinderung lebt sie heute, dank einer 24-Stunden-Assistenz, allein mit ihren Tieren zu Hause. Wie Anama Fronhoff mit ihren Mitmenschen kommuniziert und wie sie ihren Alltag meistert, schilderte sie bei einer Veranstaltung des Vereins LIS e.V. zum Locked-in-Syndrom in der Neurologischen Rehaklinik RehaNova K\u00f6ln.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Mit dem Locked-in-Syndrom war ihre Kommunikationsf\u00e4higkeit von einem Augenblick zum anderen unterbrochen. Pl\u00f6tzlich konnte sie sich nicht mehr verst\u00e4ndigen. \u201e\u00dcber ein Jahr lang war weder eine Bewegung m\u00f6glich, noch konnte ich irgendeinen Laut von mir geben. In der Zeit habe ich ausschlie\u00dflich \u00fcber Augensprache kommuniziert\u201c, erinnert sich Anama. \u201eDas hei\u00dft, der Gegen\u00fcber hat das Alphabet buchstabiert und ich habe beim entsprechenden Buchstaben die Augen ge\u00f6ffnet. Nach dem gleichen Muster wurden mir Ja\/Nein-Fragen gestellt. Bei Ja habe ich die Augen ge\u00f6ffnet, bei Nein sie geschlossen gehalten.\u201c<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\"> <\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Nach der Rehaklinik, in der die junge K\u00f6lnerin ein Jahr verbrachte, zog sie \u2013 lediglich unterst\u00fctzt von Assistenten, nicht von Fachpersonal \u2013 in ihre eigene Wohnung. <\/span><\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">\u201eIm Nachhinein erscheint es mir wie ein Wunder, dass das \u00fcberhaupt ging, denn ich konnte am Anfang weder sprechen, noch ausreichend Essen oder Trinken oral zu mir nehmen. Stattdessen wurde ich \u00fcber eine Magensonde ern\u00e4hrt\u201c, wundert sich Anama noch heute. \u201eNach circa zweieinhalb Jahren konnte die PEG auf meinen Wunsch hin gezogen werden, wobei die \u00c4rzte davon \u00fcberhaupt nicht angetan waren. Ebenso verhielt es sich mit den Medikamenten. Ich habe langsam alle Medikamente ausgeschlichen, gegen \u00dcberzeugung der behandelnden \u00c4rzte.\u201c<\/span> \u201e<span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Stattdessen habe ich seit circa zwei Jahren eine sogenannte Kopfmaus und eine Bildschirm-Tastatur. Auf einer Brille ist ein Infrarot-Reflektor-Punkt geklebt, dessen Impulse von der Kopfmaus , die \u00fcber dem Monitor angebracht ist, aufgenommen werden. Um klicken zu k\u00f6nnen, muss einen bestimmten Zeitraum (in meinem Fall 0,4 Sekunden) ohne Bewegung auf einen Punkt halten. Schreiben kann ich mit Hilfe einer sogenannten Bildschirm-Tastatur. Ich finde dieses System f\u00fcr mich phantastisch, denn nach mehreren Jahren habe ich endlich die M\u00f6glichkeit, allein ohne Mittelsperson kommunizieren zu k\u00f6nnen. Und dabei ist es auch egal, ob jemand meine leise Stimme verstehen kann oder nicht.\u201c<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Mittlerweile hat Anama Fronhoff \u00dcbung, aber gerade am Anfang dauerte das Schreiben mit der Kopfmaus sehr viel l\u00e4nger als das Schreiben mit der Hand. So brauchte sie in den ersten Tagen zum Schreiben einer email mit einem Satz fast eine Stunde. \u201eAber immer noch besser, als ohne Privatsph\u00e4re. Erw\u00e4hnenswert finde ich, dass meine Freunde problemlos dazu \u00fcbergegangen sind, mir private Dinge ausschlie\u00dflich per email mitzuteilen\u201c, freut sich Anama.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">In den ersten Jahren erhielt Frau Fronhoff f\u00fcnf mal in der Woche Logop\u00e4die. Hier lernte sie, wieder zu schucken und Laute zu bilden. \u201eMittlerweile kann ich alle Buchstaben sprechen, je nach Tagesform leiser oder etwas lauter. Insgesamt reicht die Stimme aber noch nicht f\u00fcr ein Sprachprogramm am Computer. Das will ich aber auch gar nicht haben, da immer ein Assistent in der Wohnung ist und ich somit keine Privatsph\u00e4re h\u00e4tte.\u201c<\/span> \u201e<span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Auch verbal hat sich einiges getan. Nat\u00fcrlich habe ich keine laute wohlklingende Gesangsstimme, aber immerhin k\u00f6nnen mich viele Leute mit gutem Willen verstehen, wenn sie nicht gerade schwerh\u00f6rig sind.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Da ich aber trotzdem noch nicht alleine telefonieren kann, ist immer ein Assistent dabei, der f\u00fcr mich redet. Das Telefon ist in der Regel auf laut gestellt, damit ich zumindest h\u00f6ren kann. Nur bei einzelnen Personen oder an Tagen mit guter Stimme rede ich selbst.\u201c<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Alles in allem hat sich viel getan in den vergangenen Jahren. Trotzdem gibt es aber immer wieder Menschen, die denken, weil Frau Fronhoff nicht laut reden kann, k\u00f6nnte sie auch nicht gut h\u00f6ren und erst recht nicht verstehen.<\/span> \u201e<span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Insgesamt habe ich mich insofern ver\u00e4ndert, dass die Kommunikation anders geworden ist. Aber auch, dass ich nicht mehr das Bed\u00fcrfnis habe, so viel zu erz\u00e4hlen. Das Meiste mache ich mit mir selber ab. Nat\u00fcrlich tausche ich mich gerne aus, aber lange nicht mehr so oft wie fr\u00fcher. Am Anfang war ich durch meine Situation gezwungen, mich mit mir und meinen Gef\u00fchlen auseinanderzusetzen. Zu der Zeit empfand ich das wie eine Strafe, aber mittlerweile ist es f\u00fcr mich mehr oder weniger normal geworden\u201c, zieht Anama ihr Res\u00fcmee.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Einige Jahre nach ihrem Hirnstamminfarkt recherchierte die K\u00f6lnerin im Internet zur Ausbildung von Behindertenbegleithunden und ist dabei auf den Verein SAM im Bergischen Land gesto\u00dfen. Unverbindlich fragte sie per email an, ob auch f\u00fcr ihre massive k\u00f6rperliche Einschr\u00e4nkung Hunde ausgebildet w\u00fcrden.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Die Antwort des Vereines kam direkt und man schaute sich ihr Zuhause pers\u00f6nlich an. Ohne ihr Wissen sammelten die Hundetrainer in den folgenden Monaten Spenden f\u00fcr einen Hund.<\/span> \u201e<span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Derart in Zugzwang geraten, bin ich daraufhin selbst aktiv geworden ud habe unter anderem Flyer erstellt und potenzielle Spender angeschrieben. So sind innerhalb von wenigen Wochen mehrere Tausend Euro zusammengekommen, ein Gro\u00dfteil von den Musikern Deva Premal und Miten\u201c, freut sich Anama \u00fcber die Hilfe.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Die Hundetrainerin Beate Dorla\u00df bildete 15 Monate den Collir\u00fcden Momo als Behindertenbegleithund speziell f\u00fcr Frau Fronhoff aus. Daf\u00fcr suchte sie ihn nach speziellen Tests aus. Trainerin und Hund kamen jeden Monat f\u00fcr einen Nachmittag zu Besuch, vor allen Dingen, damit Momo seine zuk\u00fcnftige Besitzerin und ihre Lebensumst\u00e4nde kennenlernen konnte.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Zu diesem Zeitpunkt war das Ganze noch ein Experiment \u2013 Beate Dorla\u00df war nicht klar, ob Anama mit ihrer schweren Behinderung einen Hund selbstst\u00e4ndig f\u00fchren k\u00f6nne. Im Mai 2006 kam es dann zur dauerhaften \u00dcbersiedlung von Momo.<\/span> \u201e<span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Die darauf folgenden drei Monate waren harte Arbeit. Zum Beispiel habe ich nach dem Sitzkommando des \u00f6fteren eine halbe Stunde warten m\u00fcssen, bis Herr Momo meinte, er k\u00f6nnte mal h\u00f6ren. Konsequenz ist der Garant daf\u00fcr, dass der Mensch und nicht der Hund Rudelf\u00fchrer ist. Interessant zu erw\u00e4hnen ist, dass Momo mittlerweile nur noch auf meine leisen Kommandos h\u00f6rt und nicht, wie man glauben k\u00f6nnte, auf die lauten Stimmen von anderen Personen. F\u00fcr mich ist es immer wieder phantastisch zu sehen, dass man weder lautstark, noch h\u00e4ufiger ein Kommando wiederholen muss, damit ein Hund reagiert.<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">F\u00fcr mich sind die t\u00e4glichen Spazierg\u00e4nge wunderbar. Vorher bin ich manchmal monatelang nicht aus der Wohnung rausgekommen. Am Anfang bin ich im Park sicherlich aufgefallen, mittlerweile fallen wir zwar als Gespann weiterhin auf, aber eher dadurch, dass Momo so gut h\u00f6rt. Dadurch suchen andere Hundehalter h\u00e4ufiger unsere N\u00e4he. Ohne Momo hatte ich lange nicht so viele Au\u00dfenkontakte, Momo ist sozusagen ein Br\u00fcckenbauer.\u201c<\/span> <span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Die regelm\u00e4\u00dfigen Spazierg\u00e4nge haben aber auch andere positive Folgen f\u00fcr Anama Fronhoff. Ihre Immunabwehr hat sich verbessert und ihre Stimme ist durch das \u201eRufen\u201c und den Austausch mit Anderen deutlich st\u00e4rker geworden.<\/span> \u201e<span style=\"font-family: Comic Sans MS,cursive;\">Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich hervorheben, dass Momo eigentlich mehr f\u00fcr mein Herz zust\u00e4ndig ist, anstatt f\u00fcr das Verrichten von \u201emanuellen\u201c T\u00e4tigkeiten. Momo und ich haben eine ungew\u00f6hnlich enge Verbindung zueinander. Da wir fast kontinuierlich zusammen sind, erkennen wir schon nonverbal, was der andere m\u00f6chte. Somit k\u00f6nnte man sagen, Momo ist mein Lebensgef\u00e4hrte, wenn auch nicht wie \u00fcblich in Menschenform. Auf jeden Fall m\u00f6chte ich ihn nicht missen.\u201c<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Weg in ein neues Leben Bis zu ihrem Schlaganfall vor zehn Jahren war die damals 33-j\u00e4hrige Anama Kristin Fronhoff ein sehr kommunikativer Mensch \u2013 sowohl verbal wie auch k\u00f6rpersprachlich. Der Hirnstamminfarkt l\u00f6ste bei der jungen K\u00f6lnerin ein Locked-in-Syndrom aus. 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